Meine lieben ehemaligen Arbeitskolleg:innen und Chef:innen, ihr werdet es nicht glauben! Ich beginne zwischen 7:30 und 7:50 mit der Arbeit und pünktlich um 17 Uhr wird das Büro geschlossen. Teilweise arbeite ich dann zuhause noch ein bisschen, aber das hält sich in Grenzen.
Das Schönste ist, ich habe das erste Mal in meinem Leben mein eigenes Büro ganz für mich alleine. Und die Erstklässler sind meine „security guards„, sie bewachen regelmässig in den Pausen und am Nachmittag die Türe von meinem Büro und beobachten mich bei der Arbeit.

Mittlerweile rufen mich die meisten Schüler:innen und Kolleg:innen Madam Chimwemwe statt Madam Carola, Calola, Carula. Chimwembe bedeutet joy oder happiness. Diesen wunderbaren Namen hat mir eine der Verkäuferinnen in den Möbelhäusern verpasst und alle finden ihn sehr passend. Und mir gefällt er auch und mittlerweile kann ich ihn sogar aussprechen.
In der Schule laufen mehrere Projekte, die ich nun alle am Kennenlernen bin. Ich habe tolle neue Kolleg:innen, die mich sehr herzlich aufgenommen haben; viele mit dem Kommentar «Endlich bist du da», was natürlich einiges an Erwartungen impliziert. Auch meine beiden Chefs Elisa und Alex sind wunderbar. In den ersten Wochen ist meine Hauptaufgabe alles kennenzulernen, in allen Departments mal mitzuarbeiten, viele Fragen zu stellen und mir einen Überblick verschaffen, d.h. «sich ein Bild machen». Was haben wir an Gemeinsamkeiten, was läuft hier kulturell bedingt anders? Was ist bereits alles vorhanden? Welche Ideen sind schon da? Was ist geplant?
Neben dem Schulbetrieb von der ersten bis zur neunten Klasse gibt es für vulnerable Schüler:innen der 7. bis 9. Klasse auch die Möglichkeit hier zu wohnen. Ausserdem wird ein sog. vocational training für tailoring und agriculture angeboten. Es gibt neben dem Young Farmers Club nun auch das Climate Change Mitigation Project. Und dann gibt es noch die schuleigene Produktion, mit der Einkommen generiert wird.

Natasha ist als Sozialarbeiterin für Social Welfare verantwortlich. Für die Mädchen an der Schule gibt es zum Beispiel jeden Freitag ein Meeting, bei dem sie Mädchen-spezifische Themen mit Natasha und Rosina besprechen können. Gestern haben wir erfahren, dass eines unserer 14jährigen Mädchen verheiratet wurde und ein anderes im gleichen Alter schwanger ist. Der Präsident hat nicht nur Kinderehen den Kampf angesagt.

Ein grosses Thema an der Schule ist die fehlende Unterstützung der Eltern. Kinder, die bei Schulbeginn Anfang September nicht auftauchen. Wenn die Eltern gefragt werden, warum sie die Kinder nicht schicken, kommt als Antwort grosses Schweigen. Gestern war Elternversammlung und der Elternvertreter war stinksauer, da von aktuell über 500 Schüler:innen nur ca. 30 Eltern anwesend waren.
Ich hatte schon sehr spannende Gespräche mit den verschiedenen Verantwortlichen, war auch schon «im Feld» unterwegs und nächste Woche – so sich der Plan nicht ändert – werde ich mit meinen Kollegen an einer Weiterbildung zu «Composting» teilnehmen. Aber darüber ein andermal mehr.

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