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Unsere Lernenden vom zweiten Jahr an der Youth Academy sind nun alle für 2 Monate im Praktikum. Die zwei Mädchen der Tailoring Klasse sind – wie bereits erwähnt – in Ndola, die 4 Jungs in Lusaka.

Die «Agric Kids» sind in Williams und Chisamba, das liegt auf halben Weg zwischen Malambanyama und Lusaka. Die 12 Lernenden sind in 4 Gruppen eingeteilt und auf 4 Firmen verteilt. Eine Gruppe arbeitet in einem landwirtschaftlichen Forschungsbetrieb. Dort durch-laufen sie ein professionelles Programm und alle Abteilungen. Eine andere Gruppe ist in einem Betrieb, die sich auf die Produktion von Setzlingen spezialisiert hat. Der Supervisor hat mir erzählt, dass die anderen Mitarbeitenden einen unserer Jungs besonders gern mögen, weil er eine «Plaudertasche» sei. Hmmmmm?!?! Bei mir im Unterricht hat er viel geschlafen, kein Scherz. Mit mir redet er auch nicht viel, wegen Chisungu und so. Aber er hat gestrahlt und mich umarmt, als er mich heute gesehen hat. Er scheint einen richtig grossen Entwicklungsschritt gemacht zu haben in den letzten zwei Monaten. Die dritte Gruppe war zuerst in einer Firma, die Pflanzensamen herstellen. Das ist mir eindeutig zu viel Chemie. Und zwei unserer Jungs wurden auch krank, da es keine Schutzmassnahmen gab. Die Gruppe ist jetzt gemeinsam mit den Mädchen auf einer Dairy Farm (Milchkuh-Bauernhof). Dort lernen sie Käse herzustellen. Auch sie haben sich sehr gefreut, als sie mich heute gesehen haben. Einer ist sogar – als er mein Auto entdeckt hat – fast einen Kilometer gerannt, damit er mich noch umarmen kann, bevor ich wieder abfahre. Die Gruppe treffe ich am Sonntag nochmal in Williams, damit ich ihnen die fehlenden Lebensmittel übergeben kann. Das Praktikum läuft noch eine Woche.

Und nun habe ich zum zweiten Mal die Jungs hier in Lusaka besucht. Leider ist das ein Drama. Als ich im Praktikumsbetrieb anrufe, um mich anzumelden, wird mir mitgeteilt, dass keiner der Jungs heute zur Arbeit erschienen ist. Ich weiss, dass einer der vier krank ist, einer ist ein Problemfall, aber die anderen beiden enttäuschen mich doch. Da ihr Telefon seit einigen Tagen ausgeschaltet ist, muss ich mir die Telefon-nummer vom Landlord (Vermieter) besorgen. Nur um von ihm zu erfahren, dass sie unseren Problemfall heute Morgen wegen mehrfachen und wiederholten Dieb-stahls der Polizei übergeben haben. Also mache ich mich auf den Weg zum Haus der Jungs im Kanyama Compound und bin auf das Schlimmste gefasst. Immerhin zwei der Jungs treffe ich an. Der eine, er krank ist, ist immerhin auf dem Weg der Besserung. Einer ist irgendwo in der Stadt unterwegs, dem wurde das Tele-fon geklaut. Der andere wollte nicht mit schmutzigen Kleidern zur Arbeit gehen und das Waschmittel ist aus-gegangen. Also gingen wir gemeinsam einkaufen. Morgen treffe ich die beiden nochmals im Zentrum, um gemeinsam Stoffe zu kaufen, damit sie Kleider nähen und verkaufen können.

Und dann bin ich auf den Polizeiposten. Nach Abspra-che mit Madame Eliza (Gesamtleiterin von Childrens’ Town) und Natasha (meine Wohnungskollegin und unserer Sozialarbeiterin) übergeben sie den Fall an die Eltern des Jungen. Ich möchte mir aber selbst ein Bild machen und ihm wirklich die Leviten lesen.

Der Polizist befürwortet es sehr, dass ich den Jungen besuche und mit ihm reden will. Er lässt mich bis an die Gittertüre heran. Der Raum ist zwar dunkel, aber sehr sauber. In der Zelle befinden sich wahrscheinlich 9 bis 12 hauptsächlich junge Männer, und als ich mit dem Jungen zu sprechen anfange, ist es plötzlich mucks-mäuschenstill. Naiv wie ich bin, hatte ich irgendwie mit einer Einzelzelle gerechnet und dass er der Einzige ist, der in Gewahrsam ist. Und ich hatte vergessen, dass die Angehörigen sich um die Verpflegung der Gefangenen kümmern müssen. Er hat versucht, sich zu entschul-digen und dass er immer hungrig sei und er das deshalb gemacht hätte. Sein Pech ist, dass sein Hundeblick bei mir einfach nicht zieht. Dafür weiss ich zu genau, was für ein «Schlitzohr» er ist. Zum Erwachsen werden gehört es auch dazu, dass man lernt, die Konsequenzen für sein Handeln zu tragen. Da muss er im Moment durch. Selbst wenn ich wollte, könnte ich ihn ja nicht einfach mit-nehmen. Vielleicht lernt er es jetzt auf die harte Tour. Gescheit wäre er ja eigentlich, Klassenbester; aber so ein dummes Verhalten: 3 Monate vor dem Abschluss alles aufs Spiel setzen. Am liebsten würde ich ihn schütteln, damit im Kopf alles an den richtigen Platz fällt. Ja, ich bin wirklich enttäuscht. Merkt man. Ich hoffe, er hat es auch gemerkt. Keine Ahnung, wie das jetzt weiter gehen wird. Ich habe die anderen Jungs gebeten, ihm Essen vorbeizubringen. Ich hoffe, das klappt. Um den Rest müssen sich jetzt die Eltern kümmern. Ich glaube auch nicht, dass er zurück in die Schule darf, obwohl er das unbedingt möchte. Wir werden sehen.

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