Roadtrip

Meine sambische Tochter Micara hat gerade ihr drittes Jahr an der Mulungushi University in Kabwe beendet. Sie studiert Environmental Studies und ist nun im Kasanka Nationalpark für ein Praktikum. Ihr älterer Bruder Abraham ist in Kasumbalesa, das ist ein Grenzposten zu DRC (Demokratische Republik Kongo) und macht dort sein Praktikum. Mein Geschäftspartner Levy hat seine Familie (Mutter und Geschwister) auch schon seit fast 3 Jahren nicht mehr gesehen. Also haben wir einen «Familientrip» von fast 2’000 km unternommen. Und wie das hier so ist, übernehmen irgendwann die Jungen den Lead in der Familie und bei ihm sieht es so aus, als wäre er das, obwohl er der
5.-Geborene (von 8 Geschwistern) ist. Also ging es darum, Familienprobleme mit dem Jüngsten und seiner Frau zu beraten, die Mutter und die Schwestern zu besuchen und einiges zu organisieren.

Und so hat unsere Tour ausgesehen:

Abfahrt 7:30h – Zwischenstopp im Shop, um Zelt einzuladen und anderes Material fürs Camping – Zwischenstopp auf der Farm und unseren Mitarbeiter und «Junior Boss» Gift abladen, samt Zelt etc. Das Caretaker Haus müssen wir erst bauen und die Vorbesitzer sind immer noch nicht abgezogen, was sehr ärgerlich ist. Zum Glück haben wir einen tollen Nachbarn, bei dem Gift das Zelt aufstellen kann und die sich ein bisschen auch um ihn kümmern.

Dann geht es weiter nach Kabwe zum Grosseinkauf. Micara muss sich für 7 Wochen mit Essen und allem sonstigen eindecken, da es im Bush keine grossen Einkaufsmöglichkeiten gibt. Zusätzlich zu ihrem Gepäck verladen wir auch noch 2!!! Einkaufswägen an Essen etc. in unser Auto. Gegen Abend erreichen wir dann endlich Serenje und finden eine coole Lodge mit tollen Zimmern. Ich nehme pink, Micara purple und Levy blau.

Am nächsten Tag liefern wir Micara im Park ab und haben noch einen tollen Abend mit ihrem Chef und ihren Kollegen. Ich spiele ihnen den Climate Change Song vor, den Bright* (Name geändert) komponiert und aufgenommen hat und bringe ihnen die dazugehörige Performance bei, nach einer Flasche Rotwein.

Wir haben viel Spass, auch mit den monkeys (Meerkatzen), die sich einen Spass daraus machen, die Alarmanlage von meinem Auto zu aktivieren. Und die Aussicht und das Sonnen auf dem Autodach sind ja schon nicht zu vergleichen mit den langweiligen Bäumen rundherum. Die Wasa Lodge liegt am Wasa Lake (ja, meine lieben schwedischen Freund:innen, kein Tippfehler) und ist einfach nur friedlich. Ich habe den ganzen Nachmittag verpennt. Nur unsere Zimmer sind eisig kalt, da die Hütten Grasdächer haben und innen bis zum hohen Dach offen sind. Daher ab unter die Decke und schlaaaaafen. Heisses Wasser zum Duschen gibt es auf Bestellung, da es mit Holzfeuer gewärmt wird.

Am folgenden Tag geht es zurück nach Serenje, um die Familienprobleme des Jüngsten auszusortieren. Keine einfache Sache. Wenn wir Micara Ende August wieder abholen, werden wir wohl auch den Stand zu diesem Thema abholen.

Auf dem Rückweg übernachten wir in Serenje wieder in der gleichen Lodge, nur dieses Mal leider mit sehr schlechten Erfahrungen – kein heisses Wasser in den Zimmern im ruhigeren Gebäude, unfreundliche Angestellte und bei mir im Zimmer ein viel zu lauter Kühlschrank, der mich mehrmals in der Nacht aufweckt.

Auf dem Weg nach Chingola machen wir einen Frühstücks-Stopp in Mkushi und besuchen Kolleg:innen im DAPP Teachers College. Da Levy alle kennt, gibt es ein grosses Hallo und ich bin mittlerweile ja auch keine Unbekannte mehr. Es war toll, sich mit Lydia austau-schen zu können. Sie ist eine langjährige Mitarbeiterin und kennt viele meiner Kolleg:innen im Children’s Town.

Weiter über Schotterpisten bis kurz vor Ndola, so sparen wir 2 Tollgates und viele viele LKWs, die in den Copperbelt unterwegs sind. Mitten am Nachmittag gibt es Mittagessen. Den Besuch «meiner» Mädchen, die in Ndola im Praktikum sind, verlegen wir auf die Rückfahrt. Wir wollen noch vor der Dunkelheit in Chingola ankommen.

Nach Ndola wird die Strasse endlich besser, sogar zweispurig und frau darf 100 km/h fahren. Die Strecke schaffen wir tatsächlich in 2 Stunden.

Wir versuchen es zuerst mit zwei kleineren Lodges, nur leider nimmt bei der einen keiner das Telefon ab und bei der anderen verfahren wir uns so derartig in Strassen, die schlimmer sind als bei uns (ich wusste nicht, dass das möglich ist – aber – wie gesagt – schlimmer geht immer), sind wir schlussendlich im altehrwürdigen Protea Hotel gelandet.

Irgendwie ist das mit dem Wasser wie verhext. Auch hier gibt es in meinem Zimmer zuerst kein heisses Wasser. Bis mir die nette Dame an der Rezeption erklärt, ich muss zuerst den Hahn bei der Badewanne auf-drehen und laufen lassen und dann kommt irgendwann normalerweise auch das heisse Wasser in der Dusche an. Und Leute, es ist im Moment grad RICHTIG kalt. Drinnen wie draussen. Daher ist eine heisse Dusche schon was Gutes. Vor allem auch, weil ich nach einer Grippe immer noch huste.

Die Fahrt nach Kasumbalesa am nächsten Morgen ist ein wahrer Alptraum. Wir brauchen für die ca. 45 km fast 3 Stunden. Die Strasse ist wegen Bauarbeiten gesperrt und die Nebenwege, die befahren werden müssen, sind – schlimmer geht immer – eine einzige Schlagloch- und Staubwüste. Wir sind geschüttelt, nicht gerührt. Und für die letzten 3 Kilometer bis zum Gate zur Zollabfertigung brauchen wir fast eine Stunde. Es geht zu, wie wir es eigentlich nur aus dem Kino kennen. Nur dass wir da dann ja von aussen gemütlich zuschauen. Stau, Lärm, Staub, Chaos. Alle fahren kreuz und quer und irgendwann schreiten dann sogar Soldaten ein und regeln den Verkehr.

Und Abraham erklärt mir, als wir ihn endlich finden, dass ich die einzige Musungu (Weisse) bin, die er hier in den letzten drei Monaten gesehen hat, seit er hier ist. Abraham und sein Freund führen uns herum, zeigen uns, wie sie die Daten für die Verzollung erfassen und stellen uns ihren Vorgesetzten vor. Das Praktikum ist mittlerweile abgeschlossen. Jetzt hat er einen Monat Zeit, einen Job vor Ort zu finden.

Abraham ist rechts Mr. „Gucci“

Die Rückfahrt ist nur minim besser. Und leider müssen wir den Besuch des Schimpansen-Weisenhauses (Chimfunshi Wildlife Orphanage) auf den nächsten Besuch in Chingola verschieben, da wir zu spät dran sind und wir es vor dem Schliessen nicht mehr schaffen würden.

Dafür besuchen wir Levys Mutter und seine Schwestern. Die nächste Familiendiskussion steht an. Da ich weiss, worum es geht, verstehe ich ein bisschen was von der ganzen Diskussion. Levys Mum scheint mich richtig zu mögen und sie will jetzt unbedingt, dass ich Bemba lerne, weil sie ja kein Chisungu (English) kann.

Auf dem Weg zurück stoppen wir in Ndola und finden unsere zwei Mädchen aus der Tailoring Klasse, die in einer kleinen Manufaktur ihr Praktikum machen. Sie freuen sich sehr, als wir auftauchen und die eine flüstert mir ins Ohr, dass sie jetzt am liebsten in die Luft springen würde, weil sie sich so freut mich zu sehen. Aber sie sei ja jetzt eine Grosse und da ginge das ja gar nicht. Ich liebe «meine Kids».

Wie üblich sind die Gesichter verpixelt – wichtig
child protection

In Kabwe müssen wir früher zurück sein, als ursprünglich geplant, damit ich alle meine Geschwindigkeitsüber-tretungen zahlen kann. Immerhin kann man mittlerweile im Polizeihauptquartier mit Kreditkarte zahlen. Die nette Polizistin holt die Schachtel mit dem Lesegerät aus einem Schrank und meint, ich solle das gleich alles selber machen, ich könne das sicher besser als sie. 15 Jahre in der Kreditkartenbranche gearbeitet und nun das erste Mal ein Lesegerät selbst bedient :o))))).

In Kabwe besorgen wir auch noch diverse Maschinen und Materialien für die Werkstatt und holen Angebote für die Farm ein. Ich verkrieche mich noch einen Tag mit einem Buch und wir videotelefonieren fast einen ganzen Nachmittag mit unserer Freundin Nadia in Dänemark. Hoffentlich klappt es, dass sie im November zurück-kommt und uns besucht.

Nadia und ich in Stäfa, sie hat einen „Schlenker“ eingebaut auf ihrem Trip von Süditalien nach Dänemark, um mich zu besuchen.

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